Wie früher
Viele, viele Jahre habe ich mir jeweils über die ZwischendenJahren-Festtage einen Subrau Impreza WRX STi ausgeliehen. Es erschien mir das passende Gerät, damals gab es bei uns noch weisse Weihnachten, die Nebenstrassen wurden nicht schwarzgeräumt, den Christbaum holte man sich selber im Wald. Er hatte Platz für die Familie plus Geschenke, und ja, vor allem machte er Spass. Was für ein herrliches Teil, einerseits komplett sinnbefreit, andererseits familientauglich – und halt in erster Linie ein sehr, sehr ehrliches Fahrzeug. Die ersten WRX STi gab es 1994 (in Europa dann einiges später), mit dem Impreza war 2018 Schluss, mit den bösen WRX STi dann 2021; die jüngste Generation des WRX, intern VB, gibt es seit 2021, nun ohne STi. Und offiziell schaffte es sie auch nicht mehr nach Europa. Wenn da nicht ein kleines Team von sehr idealistischen Schweizern wäre; und klar müssen es Schweizer sein, nirgends wurden die bösen Subi im Verhältnis zur Einwohnerzahl besser gekauft als von den Eidgenossen.

Designpreise gewinnt der «neue» WRX keine, nein. Und es fehlt ihm leider optisch auch das Irre, das frühere Modelle irgendwie begehrenswert gemacht hatte, keine goldenen Felgen, kein üppiger Flügel hinten, die dicken Backen sind mehr so angedeutet. Und wenn man auf die Leistungsdaten des 4,67 langen und doch 1,6 Tonnen schweren Japaners schaut, dann zuckt man vielleicht sogar zusammen: 271 PS aus einem 2,4-Liter-Vierzylinder-Boxer, 375 Nm maximales Drehmoment zwischen 2000 und 4800/min, damit zieht er nun wirklich niemandem mehr die Wurst vom Brot. Zumindest auf dem Papier nicht, 6,1 Sekunden von 0 auf 100, 235 km/h Höchstgeschwindigkeit (ja, die schafft er, wir haben es ausprobiert). Doch wir wissen ja auch, grün ist nur des Lebens Baum. Und das ist genau der Punkt: Der Subi ist sauberes, sehr ehrliches Automobil geblieben. Er kann ein paar Dinge, von denen die Heerscharen übermotorisierter SUV nicht einmal im Ansatz wissen, was das denn sein könnte. Zum Beispiel: Dem Fahrer ein Lächeln ins Gesicht zaubern.

Zum Beispiel: Er tönt. Ein Subaru-Boxer hat immer diesen eigenartigen, metallischen Klang, man hört, dass er arbeitet. Er will auch gar nicht kultiviert tönen. Laut wird er dabei nicht, er hat auch keine Fehlzündungen einprogrammiert, doch die Maschine ist immer da, man nimmt akustisch wahr, wie schnell man ist (was ja gerade bei Stromern zum Problem werden kann). Das Turboloch von früher gibt es nicht mehr, doch man muss den Japaner schon bei Laune halten, sonst macht Dich der T-Roc nass, und das will man ja verhindern, so ganz grundsätzlich. Weil nun aber der manuelle Sechs-Gänger wunderbar knackig ist, zwar mit etwas Kraftaufwand bedient werden will, doch saubere Wege geht, ist diese Beilaunehalten eine wahre Freud‘, man will immer mehr davon, man will Strecken, auf denen man so viel wie möglich schalten darf. Das liegt auch an der zwar strengen, sehr direkten, extrem präzisen Lenkung – welch eine Wohltat neben all diesen indifferenten ungefähren Richtungsangaben, zu den uns die meisten aktuellen Fahrzeuge zwingen. Und dann ist da halt noch dieser unglaubliche mechanische Grip, den der Allradler aufbauen kann – er wird in der Kurve nicht langsamer, er verlangt nach mehr, er kann auch mehr, das ist schon irgendwie erstaunlich. Erfreulich. Es ist allerdings mit Arbeit verbunden.

Erstaunlich und erfreulich ist auch die grosse Spreizung innerhalb der verschiedenen Fahr-Modi. In Comfort wird der Subi tatsächlich langstrecken- und autobahntauglich, fast schon komfortabel; in Sport+ wird er zum harten Bock, so, wie man die WRX STi von früher in Erinnerung hat. So macht ein Drive-Mode-Schalter dann auch tatsächlich Sinn, auch wenn es selbstverständlich klar ist, dass dies etwas «artificial» ist, adaptive Dämpfersysteme nur Kompromisse sein können. Auch das Innenleben ist ziemlich künstlich, nicht nur bei unserem Probanden mit den doch eher etwas gewöhnungsbedürftigen blauen Applikationen, da ist halt viel und harter Plastik. Doch das gehört sich so in einem Subaru, er gehört eigentlich in den Wald, nicht vor die Oper. Aber als besonders gelungen würde man die Gestaltung des Innenraums sowieso nicht bezeichnen wollen, mit Ausnahme der wirklich grossartigen Recaro-Sitze.

Mit einem Preis von 60’990 Franken ist der Subaru WRX nicht wirklich ein Schnäppchen, insbesondere dann nicht, wenn man weiss, was er in den USA kostet. Andererseits muss man dem Jungs von all.cars trotzdem ein Kränzchen binden, es bedeutet viel Aufwand, den Japaner in der Schweiz (und unterdessen: auch im EU-Raum) auf die Strasse bringen zu können, die CO2-Abstrafung muss halt auch bezahlt sein. Doch das Gerät ist halt schon sehr cool, man wird es nicht an jeder Strassenecke sehen – und es bringt genau jenen Fahrspass, den wir seit einigen Jahren vermissen. Nicht einfach blödsinnige Kraft, die nur noch über Computer eingefangen werden kann, sondern saubere, stabile Mechanik, die es der Pilotin überlässt, wie schnell sie unterwegs sein kann. Dort am Berg, dort, wo es wirklich zählt, dort ist er grossartig, der Subi. Und jetzt warte ich noch auf Schnee, weisse Weihnachten… Mehr Erfahrungen haben wir im Archiv.








